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24.08.2010 11:05

Oberbayerns Brauchtum im Herbst:

Almabtrieb, Leonhardiritte und Kirtahutschn

Oberbayerns Brauchtum im Herbst:
Wo Kühe Kronen aus Blumen tragen und Pferde zu Haar-Modellen werden, scheint die Welt in Ordnung. Die Beziehung der oberbayerischen Bauern zu ihren Tieren, das ist eine lange, spannende Geschichte. Nicht nur deshalb gelten der Almabtrieb im September und die Leonhardiritte im Oktober und November als Höhepunkte des ländlichen Brauchtum-Kalenders.

Bergige Laufstege: Almabtrieb in Oberbayern
Im Herbst verwandeln sich die oberbayerischen Berge in Laufstege. Die Models heißen Zenzi, Alma, Rosa oder Liesl, wiegen um die 500 Kilo und führen ihre neuesten Natur-Kollektionen vor. Zum Almabtrieb verzieren die Bauern ihre Kühe vor dem Einzug ins Heimatdorf mit blumigen Kronen und buntem Zaumzeug – aber nur nach einem erfolgreichen und unfallfreien Almsommer. Der tierische Kuh-Catwalk wird von Musik und Festlichkeiten für Besucher und Einheimische begleitet.

Titelbild: Kuh-Königin beim Almabtrieb in Sachrang. Bildnachweis: Tourist Information Sachrang

Bei den Leonhardiritten geraten im Isarwinkel Mensch und Tier aus dem Häuschen. Früh am Morgen werden aus den Pferden im Stall in stundenlanger Flecht-Arbeit wahre Haar-Modelle. Die Dorf-Bewohner stehen dem in nichts nach und legen ihre schönsten Trachten an. Dann werden Fortbewegungsmittel aus den Scheunen geholt, die die anschließende Prozession zu einer richtigen Zeitreise machen. Auf Authentizität wird derart viel Wert gelegt, dass beispielsweise die Tölzer nur auf eisenbeschlagenen Kutschenrädern zur Tiersegnung rollen. Mit bis zu 80 Vierergespannen ist die Leonhardifahrt in Bad Tölz zugleich die größte des Landes.

Leonhardiritte oder -fahrten sind Prozessionen zu Ehren des heiligen Leonhard von Limoges, dem Schutzpatron der Arbeitstiere. Seit dem 15. Jahrhundert ist die Tradition in Oberbayern nachgewiesen, 1442 fand die älteste erwähnte in Kreuth statt. Weitaus weltlicher als bei der tierischen Wallfahrt ist die Stimmung in den Bierzelten und bei zahlreichen Tanzveranstaltungen, die zeitgleich stattfinden.

Leonhardiritte finden in folgenden Orten statt: Unterammergau, Stephanskirchen, Marktschellenberg, Rimsting, Kreuth, Nußdorf am Inn, Lenggries, Utting am Ammersee, Übersee, Benediktbeuern, Gmund am Tegernsee, Bad Heilbrunn.

Viele Kühe machen Mühe in den Bergen Oberbayerns, besonders wenn zum Almabtrieb aus plumpen Rindviechern muhende Schönheiten werden sollen. Oberbayerische Almbauern verzieren ihre Lieblinge jedoch nur zu gern mit Kronen aus Blumen und buntem Zaumzeug, schließlich ist so ein unfallfreier Almsommer keine Selbstverständlichkeit. Nur wenn die Saison erfolgreich verlaufen ist, werden die Kühe vor ihrem Einzug ins Dorf prächtig geschmückt. Begleitet werden die Almabtriebe mit Musik und Festlichkeiten für Besucher und Einheimische.

Kirchenfest mit Schwung: Kirchweih und Kirtahutschn
Wo Kühe Kronen aus Blumen tragen und Pferde zu Haar-Modellen werden, scheint die Welt in Ordnung. Die Beziehung der oberbayerischen Bauern zu ihren Tieren, das ist eine lange, spannende Geschichte. Nicht nur deshalb gelten der Almabtrieb im September und die Leonhardiritte im Oktober und November als Höhepunkte des ländlichen Brauchtum-Kalenders. Am dritten Sonntag im Oktober feiert Oberbayern traditionell Kirchweih, auch „Kirta“ genannt. An diesem Tag wird dem Schutzpatron der örtlichen Kirche gedacht. Zu den Festlichkeiten gehört neben dem Kirchweih-Tanz auch die fast in Vergessenheit geratene Kirtahutschn –eine Schaukel, bestehend aus einem drei bis fünf Meter langen Holzbrett, das mittels zwei Ketten an Scheunenbalken befestigt wird. 15 Personen finden Platz auf der Hutschn. Meist gibt es zudem ein besonderes Kirchweih-Menü: Gänse- oder Entenbraten mit Blaukraut und Knödeln, zum Nachtisch Schmalzgebackenes aus Hefeteig, in Oberbayern bekannt als „Auszogne“ oder „Kirchweih-Nudel“.