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Prometheus:
Ein Mythos – drei Kulturen

31.05.2010 20:28
Das griechisch-türkisch-deutsche Theaterfestival PROMETHIADE ist Anfang August zum großen Finale auf dem Welterbe Zollverein in Essen zu sehen

Die mythologische Figur des Prometheus steht am Anfang einer gemeinsamen europäischen Kultur und inspirierte Generationen von Dichtern, Musikern und bildenden Künstlern. Als Archetyp lebt Prometheus in den Nationalkulturen Europas weiter und schafft Gemeinsamkeiten und Kontraste.

Vom 23. Juli bis 7. August 2010 präsentiert die Stiftung Zollverein auf dem Welterbe in Essen das groß angelegte internationale Theaterfestival PROMETHIADE. In drei Produktionen befragen zeitgenössische Künstler den antiken Mythos um den Befreier und Kulturstifter auf seine Aktualität. Die Aufführungen sind zuerst beim Athens Festival (7.-15.7.), dann in Istanbul (18.-28.7.) und abschließend in Essen zu sehen. Das provokante Stück „Vergessen in 10 Schritten (Anti-Prometheus)“ der türkischen Künstlerin Sahika Tekand wird von der Stiftung Zollverein produziert; Theodoros Terzopoulos’ Inszenierung von „Prometheus, gefesselt“ mit dem spektakulären Bühnenbild von Jannis Kounellis entsteht im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt Istanbul 2010; und das Projekt „Prometheus in Athen“ von Rimini Protokoll ist eine Produktion des Athens Festival in Griechenland.

DIE PRODUKTIONEN DER PROMETHIADE
„Prometheus, gefesselt“ von Aischylos (R: Theodoros Terzopoulos, B: Jannis Kounellis)
Theodoros Terzopoulos, ehemals Schauspieler und Weggefährte Heiner Müllers und heute einer der wichtigsten europäischen Regisseure der Gegenwart, wird die Aischylos-Tragödie „Prometheus, gefesselt“ mit griechischen, deutschen und türkischen Schauspielern inszenieren. Mittels seiner einzigartigen Arbeitsweise, in der die Sprache, das Wissen und die Kraft aus der körperlichen Aktion hervorgeht, dringt Terzopoulos in die spirituelle Tiefe des antiken Stücks ein. Die Hauptrolle übernimmt an den drei Spielorten jeweils ein muttersprachlicher Schauspieler; in Essen ist dies Götz Argus.
Das Bühnenbild entwickelt der international renommierte Künstler Jannis Kounellis in Athen, Istanbul und Essen je als spektakuläre ortsspezifische Installation.

„Vergessen in 10 Schritten (Anti-Prometheus)“ von Sahika Tekand
Die türkische Autorin, Regisseurin und Schauspielerin Sahika Tekand entwirft derzeit einen sogenannten „Anti-Prometheus“ unter dem Titel „Vergessen in 10 Schritten“. Mit ironischen Texten erzählen Tekand und ihr türkisch-deutsches Ensemble von der Tragödie des modernen Menschen, dessen revolutionären Kräfte im Keim erstickt werden und dessen einzige Hoffnung das System selbst ist, in dem er lebt. Ein solches gleichsam Huxley’sches Menschenbild bezeichnet die Künstlerin als „Anti-Prometheus“, da dieser Mensch sich freiwillig im System fängt und nicht, wie Prometheus, der den Menschen gegen den Willen der Götter das Feuer brachte, durch Opposition zu einem Gefangenen des Systems wird.
Im zweisprachig und ortsspezifisch angelegten Stück von Sahika Tekand wird das Leben zum Spiel mit sinnentleerten Regeln, die von den Akteuren – von Abstiegsängsten getriebene Mittelständler – befolgt werden müssen, um ihren Status als „Spieler“ zu behalten. Tekand arbeitet für „Vergessen in 10 Schritten“ mit dem 1990 von ihr gegründeten Ensemble The Studio Players, das sich auch bereits mit anderen antiken Stoffen beschäftigt hat: „Wo ist Ödipus?“ (2002), „Ödipus im Exil“ (2004) und „Eurydikes Schrei“ (2006).

„Prometheus in Athen“ von Rimini Protokoll mit 100 Athener Bürgern
Es gibt kaum eine Nachrichtensendung, in der das Wort ‚tragisch’ nicht fiele und gerade in diesen Wochen häufen sich die Wortspiele, die mit der Tragödie, Griechenland und seiner Hauptstadt Athen spielen. Doch was wissen, was denken die Athener heute über Mythen wie die des „gefesselten Prometheus"? Mit dieser Frage setzt sich das Künstler-Kollektiv Rimini Protokoll gemeinsam mit 100 Athener Bürgern auseinander. „Prometheus in Athen“ kann nur in Athen stattfinden, im Zentrum der Stadt und am Fuße der Akropolis (open air im Odeon des Herodes Attikus), nur einen Steinwurf von der antiken Ruine des Dionysos-Theaters entfernt, für die die „Prometheus“-Trilogie ursprünglich entstand. Deshalb wird in Essen ein Film zu sehen sein, der diese Versuchsanordnung, eine Stadt mit einer Tragödie aus ihrem Zentrum kurzzuschließen, dokumentiert. Helgard Haug und Daniel Wetzel von Rimini Protokoll sowie ausgewählte Mitwirkende der Athener Uraufführung werden das Projekt präsentieren.

PROMETHIADE ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Zollverein, Essen; RUHR.2010; Istanbul2010; Athens Festival, Athen; , gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, gefördert von den Freunden Zollverein und steht unter der Schirmherrschaft des Ministers für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Stiftung Zollverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Welterbe Zollverein zu erhalten, Kultur zu fördern und die Entwicklung Zollvereins zu einem internationalen Kultur- und Wirtschaftsstandort voranzutreiben.

Quelle: CB²

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