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Interview bezüglich Eintrittspreise für Schloss Pillnitz
Eintritt für Schloss und Park Pillnitz

11.02.2005 11:43
Beemelmans: "Weltkulturerbe verpflichtet uns alle ..."

Frage: Sie wollen ab der Saison 2005 Eintritt für Schloss und Park Pillnitz verlangen: muss das sein?

Beemelmans: Es muss sein!

Frage: Warum?

Beemelmans: Wir haben einen Kulturauftrag:
- Bestand erhalten,
- Sanieren,
- Restaurieren,
- mit Leben erfüllen

Und das kostet viel Geld!

Frage: Diesen Kulturauftrag konnten Sie für Pillnitz bisher ohne Eintritt erfüllen!

Beemelmans: Stimmt. Seit 1991 wurden in die Instandsetzung der Gesamtanlage ca. 22 Mio. Euro investiert. Allein für die Pflege und Instandhaltung des Parks geben wir pro Jahr ca. 700.000 Euro aus. Für das Neuem Palais sind in den kommenden Jahren 3 Mio. Euro vorgesehen...

Frage: ... und jetzt reicht das Geld nicht mehr?

Beemelmans: Sie kennen die Haushaltslage der öffentlichen Hand. "Als Gott sie sah, drehte er sich um und weinte bitterlich", ist man versucht zu scherzen, wenn die Situation nicht so dramatisch wäre. Das heißt, der Freistaat muss Prioritäten setzen, wo er seine vordringlichsten Aufgaben sieht.

Frage: Heißt das, an der Kultur wird am ehesten gespart? Beemelmans: Nachweislich nein: lassen Sie mich kurz aufzählen, was sich in den letzten Jahren alles in Pillnitz getan hat:

o Neubau des Kamelienhauses
o Restaurierung des Englischen und Chinesischen Pavillons
o Restaurierung der Orangerie
o Außeninstandsetzung des Neuen Palais
o Außeninstandsetzung des Wasserpalais
o Außeninstandsetzung des Bergpalais
o Restaurierung des historischen Glashausteils des Palmenhauses

Alles das ist vom Freistaat, d. h. aus Steuergeldern finanziert worden.

Frage: Und für die Besucher selbst ...

Beemelmans: ... wurde der Besucherservice kontinuierlich verbessert. Dies gilt für die Aufstellung des Besucherleitsystems, aber auch für die qualitative und quantitative Verbesserung des Angebotes der Besucherinformation "Alte Wache", die saniert wurde und in deren Obergeschoss permanent Sonderausstellungen gezeigt werden. Weitere Stichworte in Kürze:

o Substanzerhaltung der Gartenkunst aus drei Jahrhunderten
o Pflege der Wege (über 600.000 Besucher im Jahr) und Gehölze
o mehrfach wechselnde Bepflanzung im Jahr
o Sanierung von Mauern und Parkgebäuden
o Wiederherstellung der Schlossküche und und und ...

Frage: Und was kommt noch?

Beemelmans: Im Rahmen von Führungen sind bereits der Englische und der Chinesische Pavillon in den Sommermonaten zu besichtigen. Zusammen mit den drei Pflanzenhäusern (Kamelienhaus, Orangerie und Palmenhaus) werden weitere Anziehungspunkte für die Wintermonate geschaffen. Besonders das Palmenhaus (soll 2007 fertig werden) soll in der Zeit vom November bis März für die Darstellung der historisch gerechten Nutzung als Pflanzenschauhaus genutzt werden. Ebenso mit dem entstehenden ganzjährig geöffneten Schlossmuseum im Neuen Palais und mit dem bereits bestehenden Kunstgewerbemuseum kann Pillnitz das ganze Jahr über mit Attraktionen aufwarten.

Frage: Zurück zum Ausgangspunkt: Kann und/oder will der Freistaat den Kulturauftrag seiner Schlösser, Burgen und Gärten nicht mehr bezahlen?

Beemelmans: Weder noch! Gerade das Beispiel Schloss und Park Pillnitz zeigt, was der Freistaat bisher in Kunst und Kultur investiert hat:
Aber: Wenn das Geld knapp ist, muss man auch bereit sein neue Wege zu gehen, um all das erhalten und weiterführen zu können, was einem lieb und teuer ist. Ich sage es hier klar und deutlich: Wenn wir Pillnitz erhalten wollen in seiner Pracht und Schönheit wie bisher und das nachhaltig, d. h. für unsere künftigen Generationen, kann das in Zukunft nicht allein dem Steuerzahler aufgebürdet werden.

Der Freistaat Sachsen tut seinen Teil dazu, aber die direkten Nutzer, die Besucher aus der Stadt, der Region und die Touristen müssen zum Erhalt beitragen.

Frage: Gibt es eine Alternative?

Beemelmans: Die gibt es: Reduzierung der Pflege, der Schadenssicherung, der Instandhaltung der Wege usw., das heißt Verringerung der Attraktivität und des Wertes dieses Kulturdenkmals, das heißt auch Vernachlässigung des Kulturauftrages aufgrund der Finanzlage!

Frage: Ohne Moos nix los?

Beemelmans: Jeder Besucher der Eintritt zahlt, leistet seinen Beitrag zur notwendigen und laufenden Erhaltung dieses einmaligen Ensembles.
Grob gesagt: damit sich (an der Qualität) nichts ändert, muss sich etwas ändern - nämlich eine zumutbare Kostenbeteiligung durch die Nutzer. Dieses Weltkulturerbe verpflichtet uns alle!

Frage: Fressen die Kosten die erwarteten Einnahmen nicht auf?

Beemelmans: Wir müssen drei Arten von Kosten unterscheiden:
o die einmaligen technischen Kosten
o die Betriebskosten und die
o Personalkosten

Unsere Wirtschaftlichkeitsberechnungen ergaben, dass - eine normale Entwicklung vorausgesetzt - die Einnahmen deutlich über den Kosten liegen werden.

Frage: Und wo bleibt das Geld, das Sie einnehmen wollen?

Beemelmans: In Pillnitz!

Frage: Ganz sicher?

Beemelmans: Ganz sicher!

Frage: Wird der Freistaat damit nicht andere Löcher stopfen wollen?

Beemelmans: Nein!!!

Frage: Müssen Sie fürchten, dass weniger Besucher kommen werden?

Beemelmans: Da wir in Ermangelung einer Eintrittserhebung die Besucher bislang nicht zählen konnten, lässt sich die Frage nicht zuverlässig beantworten.

Klar ist aber auch, dass ein Produkt, das bisher dem Nutzer kostenlos zur Verfügung stand und dessen Nutzung ab einem gewissen Zeitpunkt nur gegen Entgelt möglich ist, für Teile der bisherigen Zielgruppe uninteressant wird - zumindest vorübergehend. Der vorgesehene Preis ist so gestaltet, dass es für alle Bevölkerungsgruppen - vom Reiseveranstalter bis zu jungen Familien und Senioren - sozialverträglich gestaffelt ist und trotzdem für alle Interessenten übersichtlich bleibt.

Frage: Damit sind wir bei den Preisen ...

Beemelmans: Ich wiederhole: Die Preise sind sozialverträglich und übersichtlich. Es sind die Anwohner wie die Dresdner, die jungen Familien wie die Senioren, die Einzelbesucher wie die Gruppen entsprechend berücksichtigt. Für Reiseveranstalter und Reisemittler wird es die marktüblichen Rabatte geben. Sie sollen Pillnitz ja weiter und - wie wir hoffen - verstärkt anfahren.

Eintritt Park Park/Museum
Erwachsene 2,00 EUR 5,00 EUR
Ermäßigte 1,50 EUR 3,50 EUR
Familienkarte 4,00 EUR 10,00 EUR
Gruppen 1,50 EUR 3,50 EUR
Schulklassen 1,00 EUR 1,00 EUR
Jahreskarte Erwachsene 10,00 EUR
Jahreskarte Ermäßigte 8,00 EUR
Jahreskarte Familie 20,00 EUR
Kinder bis 6 Jahren frei

Frage: Zum Abschluss: Welche Anlage ist als nächstes dran - der Große Garten, der Zwinger, die Brühlsche Terrasse, der Park von Schloss Moritzburg?

Beemelmans: Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen (vermutlich zum 723ten Mal): keines dieser von Ihnen aufgezählten Kulturgüter!

Danke für dieses Gespräch.

Das Interview führte Daniel Douphtá .

Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen o Postfach 10 03 59 o 01073 Dresden Telefon 0351/827-4630 o Fax 0351/827-4602

Quelle: schloesserland-sachsen.de
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