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Kuh-Downhill und frisierte Pferde
Leonhardiritte und Almabtrieb –Oberbayerns tierisches Brauchtum

Kuh-Downhill und frisierte Pferde

19.08.2009 15:07
Wo Kühe Kronen aus Blumen tragen und Pferde zu Haar-Modellen werden, scheint die Welt in Ordnung. Die Beziehung der oberbayerischen Bauern zu ihren Tieren, das ist eine lange, spannende Geschichte. Nicht nur deshalb gelten der Almabtrieb im September und die Leonhardiritte im Oktober und November als Höhepunkte des ländlichen Brauchtum-Kalenders.

Foto: Königin vom Geigelstein beim Almabtrieb in Sachrang. Bildnachweis: Tourist Information Sachrang.

Bei den Leonhardiritten geraten im Isarwinkel Mensch und Tier aus dem Häuschen. Früh am Morgen werden aus den Pferden im Stall in stundenlanger Flecht-Arbeit wahre Haar-Modelle. Die Dorf-Bewohner stehen dem in nichts nach und legen ihre schönsten Trachten an. Dann werden Fortbewegungsmittel aus den Scheunen geholt, die die anschließende Prozession zu einer richtigen Zeitreise machen. Auf Authentizität wird derart viel Wert gelegt, dass beispielsweise die Tölzer nur auf eisenbeschlagenen Kutschenrädern zur Tiersegnung rollen. Mit bis zu 80 Vierergespannen ist die Leonhardifahrt in Bad Tölz zugleich die größte des Landes.

Leonhardiritte oder -fahrten sind Prozessionen zu Ehren des heiligen Leonhard von Limoges, dem Schutzpatron der Arbeitstiere. Seit dem 15. Jahrhundert ist die Tradition in Oberbayern nachgewiesen, 1442 fand die älteste erwähnte in Kreuth statt. Weitaus weltlicher als bei der tierischen Wallfahrt ist die Stimmung in den Bierzelten und bei zahlreichen Tanzveranstaltungen, die zeitgleich stattfinden. Termine: Am 25. Oktober findet der Leonhardiritt in Unterammergau, Stephanskirchen und Marktschellenberg statt; am 6. November in Rimsting, Kreuth, Nußdorf am Inn, Lenggries, Utting am Ammersee, Übersee, Benediktbeuern, Gmund am Tegernsee; am 15. November in Bad Heilbrunn.

Viele Kühe machen Mühe in den Bergen Oberbayerns, besonders wenn zum Almabtrieb aus plumpen Rindviechern muhende Schönheiten werden sollen. Oberbayerische Almbauern verzieren ihre Lieblinge jedoch nur zu gern mit Kronen aus Blumen und buntem Zaumzeug, schließlich ist so ein unfallfreier Almsommer keine Selbstverständlichkeit. Nur wenn die Saison erfolgreich verlaufen ist, werden die Kühe vor ihrem Einzug ins Dorf prächtig geschmückt. Begleitet werden die Almabtriebe mit Musik und Festlichkeiten für Besucher und Einheimische.

In Sachrang am Chiemsee werden die Kühe am 26. September ab 13 Uhr am Dorfanger erwartet. Für die Rindviecher gibt es kühles Wasser, für alle anderen Anwesenden fürstliche Bewirtung. Oberhalb von Krün im Karwendel beginnt der Almabtrieb am 19. September ab 11 Uhr. Der Zieleinlauf im Ort wird begleitet von einem Bauernmarkt mit Handwerksständen und Musik. In Anger/Teisendorf im Berchtesgadener Land startet der Downhill der Kühe am 20. September ab 14 Uhr an der Stoißeralm. Wer Kühe nicht mag, kann sich in der Zugspitz-Region sogar zu Schafen oder Ziegen gesellen. In Mittenwald findet am 5. September der Abtrieb der Ziegen zum Dekan-Karl-Platz statt, am 12. September um 10 Uhr der Schafabtrieb zum Schafstadl bei der Gröblalm. Am 27. September schließlich dürfen auch in Mittenwald die Kühe ins Tal. Ab 11 Uhr gibt es für Vier- und Zweibeiner ein Fest auf dem Riedboden.

Weitere Auskünfte:
Tourismusverband München-Oberbayern e.V. Radolfzeller Straße 15 D-81243 München
Fon (089) 82 92 18 0 touristinfo@oberbayern.de
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