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Stadt Mönchengladbach
Mit Säge und Bohrer zur Königswürde - Stadtschützenfest am 6. und 7. September

25.08.2008 11:38
Aus bis zu 39 Kandidaten wird der König der Könige ermittelt / Krönung am 7. September um 14 Uhr im Münster

Geht beim Königsschuss alles mit rechten Dingen zu? Wird geschummelt? Steht gar vor dem Schießen bereits fest, wer am Ende den Vogel von der Stange holt und sich fortan mit "Majestät" anreden lassen darf? Gladbachs Bruderschaften betonen: "Alles korrekt." Zumindest beim Stadtschützenfest am 6. und 7. September gehe nichts hintenrum. Hier seien ausschließlich die Treffer vorne entscheidend. Dabei wissen eingeweihte Schießmeister genau, wie sie den Vogel präparieren müssen, damit er zum "richtigen" Zeitpunkt fällt.

Säge und Bohrer sind die unverzichtbaren Hilfsmittel für Schießmeister, die zwar "korrekt" sind, aber nicht ewig Zeit haben, auf den neuen König zu warten. Denn auch beim Vogelschuss zum Stadtschützenfest sind am Fest-Samstag, 6. September, auf dem Kapuzinerplatz gerade mal 60 bis 80 Minuten fürs Schießen vorgesehen. Dann muss der Vogel am Boden liegen, damit die Schützen ihren neuen König nach Terminplan pünktlich hochleben lassen können.

Denn das Programm läuft weiter, und am Abend muss Seine Majestät möglichst mit Frau festlich gekleidet zum Ball in der Kaiser-Friedrich-Halle erscheinen. Das heißt: Vogel runter 16 Uhr, Jubel, Herzen, Händedrücken, zwei Bierchen in Ehren - dann per Handy die ersten königlichen Befehle nach Hause schicken: "Dreh die Lockenwickler rein, lass mir Badewasser ein" - ab ins Taxi nach Hause, Küsschen für die Königin, frisch machen, Anzug überziehen, zur KFH, Auftritt dort um 20 Uhr.

Damit das klappt, haben die Schießmeister vorgesorgt: Der Holzvogel aus Fichtenholz in Adlerform und mit einer Spannweite von 50 Zentimetern stammt aus der Werkstatt eines erfahrenen Vogel-Bauers: Fürs Stadtschützenfest greift Adolf Dormanns aus Kamp-Lintfort, selbst in der Grafschaft Moers Schützenkönig und Bezirksmajestät gewesen und schließlich sogar zum Bundeskönig aufgestiegen - zu Säge und Schnitzmesser. Seine Vögel sind stabil und formschön, haben die richtigen Proportionen, dazu noch Krönchen, Reichsapfel und Zepter und halten je nach Zielgenauigkeit der Schützen zwischen 60 und 120 Schuss aus dem Kleinkalibergewehr stand. Dann purzeln sie zu Boden.

Wenn die Schützen nicht erfahren im Vogelschuss sind, muss der Vogel vorsorglich angebohrt und angesägt werden, damit ihn selbst Fehlschüsse erschüttern können. Ansonsten gilt die Grundregel für alle Kandidaten: "Auf den Balg halten." Gemeint ist das starke Mittelstück mit der tragenden Schraube, deren Umfeld rundum perforiert werden muss, damit der Vogel jeglichen Halt verliert und kopfüber zu Boden stürzt.

Steht mancherorts der König schon vor dem Schießen fest, weil sich Vorstand und Majestät in spe darauf verständigt haben, ist beim Stadtschützenfest alles offen. Bei bis zu 39 Königskandidaten, die alle schon Majestät der eigenen Bruderschaft und im Schießen erfahren sind, lässt sich kaum schummeln. Warum auch? Schließlich suchen die Bruderschaften unter ihren Majestäten in Stadt und Land den "König der Könige", freut sich der Bruderrat über möglichst viele Bewerber. Bezirksbundesmeister Horst Thoren: "Unser Bezirkskönigsschießen lebt vom spannenden Wettbewerb. Hätten wir nur einen ausgesuchten Kandidaten, wo bliebe da der Reiz? Wir sind froh, dass meist ein Dutzend Könige und mehr antritt."

Sachkundige Aufsicht gibt es zuhauf: Da sind die Könige selbst, da stehen die Präsidenten der Bruderschaften und Vereine mit wachem Auge dabei, da ist das Publikum zum Zuschauen eingeladen. Den besten Durchblick hat am Samstag, 15 Uhr, aber Schießmeister Theo Laux, der mit seinem Präzisionsfernrohr den Vogel beobachtet und den Schützen Tipps geben kann und darf. Schützenchef Horst Thoren betont allerdings: "Ohne Gewähr. Kein Schütze kann sich später darauf berufen." Trotzdem hat der Bruderrat gleich vier sachkundige Berater und Beobachter abgestellt: Neben Theo Laux auch Stefan Feiks, Kurt Schillings und Ludwig Schmitz. Der Bruderrat betont: Der Vogelschuss ist Teil des historischen Königsspiels und letztlich Glückssache.

"Aber kein Spiel für Glücksritter", sagt Bezirkspräses Pfarrer Johannes van der Vorst. Denn der König hat Pflichten, nicht nur beim Stadtschützenfest, wo er am Fest-Sonntag, 7. September, 14 Uhr, im Münster gekrönt und anschließend in der Kutsche durch die Stadt gefahren und bei der Parade (16 Uhr) am Alten Markt von 2500 Schützen und Musikanten gefeiert wird. Denn die Würde und Bürde des Amtes (plus prächtiger Drei-Königs-Kette) trägt er ein ganzes Jahr - bis zum nächsten Vogelschuss 2009, wenn Bezirkskassierer Heinz-Josef Schillberg wieder Buch führt über die neuen Königskandidaten.

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